16.11.2026, 19:00 - 21:00 Uhr

Literaturhaus, Vortragssaal

Lesung, Vortrag

Eintritt frei, Spenden willkommen

Erinnerung an Stefan Heym (10. 4. 1913 – 16. 12. 2001) zu seinem 25. Todestag mit Joachim Keidl und Karlheinz Müller

„Was bleibt von einem Leben? Vielleicht wird in ein paar Jahren noch jemand ein paar Sätze von mir lesen und darüber nachdenken…“ Stefan Heym

Nach der Lektüre der 2024 erschienenen Graphic Novel „Die sieben Leben des Stefan Heym“ von Gerald Richter und Marian Kretschmer möchte mancher Leser ausrufen: Was für ein Leben!

1913 wurde der Sohn eines jüdischen Kaufmanns als Helmut Flieg in Chemnitz geboren, mit Achtzehn wurde er wegen eines antimilitaristischen Gedichtes des Gymnasiums verwiesen, machte sein Abitur in Berlin und publizierte in linken Blättern. Vor den Nazis floh er nach Prag und nannte sich von nun an Stefan Heym. 1935 erhielt er ein Stipendiat in Chicago, promovierte über Heinrich Heine und war bis 1939 Chefredakteur der kommunistischen Zeitung „Deutsches Volksecho“. 1942 wurde sein erster Roman „Hostages“ ein Riesenerfolg, auf Deutsch erschienen 1958 unter dem Titel „Der Fall Glasenapp“. Als Soldat war er erfolgreich für psychologische Kriegsführung gegen Nazis tätig, um deutsche Soldaten zum Überlaufen zu bewegen. Dann war er Besatzungsoffizier in Deutschland. Nach Beginn des Kalten Krieges verweigerte er antisowjetische Texte und wurde von der McCarthy-Behörde verfolgt. Mit seiner Frau floh er nach Prag und 1952 weiter nach Ost-Berlin. Zunächst hoch angesehen, geriet er bald wegen seiner Eigenständigkeit und Weigerung, sich ideologisch vereinnahmen zu lassen, in Schwierigkeiten mit Parteifunktionären. Er protestierte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und den Entzug der Mitgliedschaft von unbotmäßigen Autoren im DDR-Schriftstellerverband. Er wurde von der Stasi überwacht, lag in ständigem Kampf mit der Zensur, so daß viele seiner Bücher nur im Westen erscheinen konnten.

Im Alter näherte er sich stärker dem Judentum an. Als er 2001 an einem Heine-Kongreß in Israel teilnahm, starb er bei einem Ausflug ans Tote Meer. Beigesetzt wurde er auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee, auf dem auch seine Eltern ihre letzte Ruhe fanden. In ihrem Nachruf, in der F.A.Z. vom 17. 12. 2001, schrieb Sabine Brandt: „Aus dem langen Leben dieses Mannes ist keine Handlung bekannt, die ihm zur Unehre gereicht hätte. Das ist Grund genug, ihm Dank zu sagen für manche anregende Stunde mit den Büchern, die er für uns schrieb.“

In den Mittelpunkt unseres Abends für Stefan Heym wollen wir den Roman „Der König David Bericht“ (1972) und die Erzählungen „Immer sind die Männer schuld“ (2002) stellen. Über letztere urteilte Dieter Borchmeyer: „Es gibt in der Weltliteratur eine Unzahl bestrickender Liebesgeschichten – aber für eine Altersliebe, so rührend, wie sie in diesen letzten Erzählungen Heyms zutage tritt, finden sich in der deutschen Literatur (…) nur wenige Beispiele.“ (ZEITLITERATUR Oktober 2002

Veranstalter Elisabeth-Langgässer-Gesellschaft und Gesellschaft zur Pflege und Verbreitung deutschsprachiger jüdischer Dichtung e. V. und Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V.

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