16.04.2026, 19:00 - 21:00 Uhr

Literaturhaus, Vortragssaal

Gespräch, Vortrag

Eintritt frei

Der schrille Witz der Verzweiflung - Erinnerung an den jüdischen Schriftsteller Edgar Hilsenrath

Mit Joachim Keidl und Karlheinz Müller

Der schrille Witz der Verzweiflung - Erinnerung an Edgar Hilsenrath (2. 4. 1926 – 30. 12. 2018)

Verfolgungen, Fluchten, Heimatlosigkeit und oft mangelnde Anerkennung prägten das Leben dieses deutsch-jüdischen Autors. Literatur und die deutsche Sprache boten ihm Heimat.

In Leipzig geboren, war er in Halle einziges jüdisches Kind in seiner Schulklasse und erfuhr schon früh Ausgrenzung und Ablehnung. Im Sommer 1938 floh die Mutter mit den Kindern in die Bukowina, wo er 1941 von der mit den Nazis verbündeten faschistischen Regierung in ein Ghetto deportiert wurde. Im März 1944 wurde er von der Sowjetarmee befreit und bald wieder verhaftet. Er konnte fliehen und gelangte durch Bulgarien, die Türkei, Syrien und den Libanon in das britische Palästina, wo er sich als Pflanzer, Tellerwäscher, Bauarbeiter und Lastenträger durchschlug. 1951 emigrierte er nach New York, wo er wieder sein Leben mit Hilfsarbeiterjobs fristete. Nachts schrieb er in Cafés an seinem ersten Roman „Nacht“, der für ihn in den USA ein erster Erfolg wurde. Die erste deutsche Übersetzung 1964 wurde bald nach Erscheinen vom Markt genommen. Seit 1975 lebte er in Berlin. Der erste große Erfolg „Der Nazi und der Friseur“ erschien 1971 in den USA, erst 1977 wagte sich ein Verleger an die deutsche Erstausgabe.

In seinen zahlreichen Büchern thematisiert er Varianten des Völkermordes im 20. Jahrhundert, die Shoah wie auch den von den Türken begangenen an den Armeniern in seinem 1989 erschienenen Roman „Das Märchen vom letzten Gedanken“. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Provokationen, das Brechen von Tabus und Mischung von Grausamkeiten und Zärtlichkeiten zeichnen sein Werk aus. „Der Nazi und de Friseur“ und das „Märchen vom letzten Gedanken“ stehen im Mittelpunkt unseres Abends. 

© Georges Seguin „Edgar Hilsenrath im Salon du livre de Paris  2010“

 

Veranstalter Elisabeth-Langgässer-Gesellschaft und Gesellschaft zur Pflege und Verbreitung deutschsprachiger jüdischer Dichtung e. V. und Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V.

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